Organisieren statt kündigen!

Bild-Dank an T. Lentsch

Die Covid19-Pandemie hat die laut OECD bereits belastenden Arbeitsbedingungen in Österreich weiter verschärft. Viele denken daran den Beruf zu verlassen. Warum man nicht kündigen, sondern sich organisieren sollte argumentiert Martin Gutlederer.

Die Zeitung „Die Presse“ resümiert über unsere Arbeitsbedingungen Folgendes: „Schon seit Jahren kämpfe man um bessere Arbeitsbedingungen und um mehr Personal. Viele würden aus dem Job gehen: „Eine Diplomierte Krankenpflegeperson verbleibt durchschnittlich sechs Jahre im Beruf. Geringe Bezahlung angesichts der Verantwortung, Schichtdienste, Personalknappheit, extreme Arbeitssituationen, hoher Stresslevel sowie fehlende Wertschätzung innerhalb des Systems lassen viele gut ausgebildete Kolleginnen und Kollegen frustriert aussteigen. Niemand der geht, kommt wieder zurück.“

Unabhängig ob wir zwischen Halb-Öffnungen und Pseudo-Kurz-Lockdowns von Welle zu Welle torkeln oder mittels Impfungen wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, gilt es Verbesserungen der Arbeitsbedingungen wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Statt den Beruf an der Schwelle inmitten einer Wirtschaftskrise zu verlassen oder von Station zu Station zu hüpfen, müssen wir uns für unsere Arbeitsbedingungen einsetzen und organisieren.

Die Regierung hat gezeigt auf wessen Seite sie steht: Während das Werbe-Budget keine Obergrenze kennt wurde beim Impfstoff gespart. Allen wird die Schuld gegeben außer den Verantwortlichen in der Bundesregierung. Der neue Arbeitsminister Martin Kocher hat mittels Verordnung bereits Arbeitszeit-Regelungen wie z.B. zu Mindest-Ruhezeiten oder Arbeitshöchstzeiten außer Kraft um gesetzt. Und im Mai 2020 wetzen vermeintliche “Experten” der Bürgerlichen wie Ernest Pichlbauer die Messer und wollten nach der ersten Welle weiter Betten reduzieren. Die Ex-Gesundheitsministerin Rauch-Kallat verstieg sich sogar in den widersprüchlichen Irrsinn man möge Intensivbetten reduzieren und Covid19-Betten mit Beatmungeräten etablieren. Kurz gesagt: Wenn wir PolitikerInnen lassen werden sie die Bedingungen im Gesundheitsbereich verschlechtern. 

Deshalb haben wir mit KollegInnen aus ganz Österreich die Kampagne „Kämpferisches Krankenhaus“ gestartet und setzen die drängendsten Forderungen an vorderste Stelle: Personalstand rauf, Arbeitszeit runter. Denn es gilt als ArbeiterInnen wieder in die Offensive zu kommen. Nicht Helden oder Opfer, sondern KämpferInnen für das beste Gesundheitssystem wollen wir sein! Mit unseren Treffen haben wir eine Plattform geschaffen, auf der wir uns über Probleme und Forderungen austauschen können. Wie die Gewerkschaft Vida fordern wir 20% mehr Personal. Darüber hinaus braucht es eine echte Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich von 20%. Diese Maßnahmen sind essentiell damit weniger KollegInnen aus dem Beruf aussteigen und im Gegenteil sogar Ehemalige zurückkommen. Deshalb sind wir bereits aktiv und stellen euch gerne Material bereit, damit ihr mit uns aktiv werden könnt. Wir denken, dass es notwendig ist, dass die Offensive Gesundheit als Zusammenschluss der Gesundheitsgewerkschaften, Arbeiterkammer und Ärztekammer einen Kampf für bessere Bedingungen beginnt. Sie organisiert den Großteil des Krankenhauspersonals und hätte somit die Schlagkraft, gemeinsam mit der Belegschaft für unsere Anliegen zu mobilisieren. Ein guter Anlass wäre der Tag der Pflege. Sollte dies nicht geschehen, werden wir je nach Covid19-Situation dezentrale Aktionstage vor einzelnen Kliniken organisieren, denn wir wollen nicht einmal unseren Unmut äußern, sondern uns mit euch für ein Kämpferisches Krankenhaus einsetzen. Also meldet euch oder sprecht uns bei unseren Aktionen an!

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